Was immer der »Motor« moderner Gesellschaften sein mag, fossile Brennstoffe sind ihr Treibstoff. Moderne Freiheit und Fortschritt, Krieg, Kolonialismus und Kapitalismus, lineare Zeit und globaler Raum sind kohlenstoffhaltig. Die Moderne ist immer schon fossil gewesen, darum sieht sie in Zeiten der Klimakrise ziemlich alt aus. Trotzdem tritt sie nicht einfach ab. Vielmehr führt sie in CO2, Plastikmüll und petrochemischen Rückständen ein desaströses Nachleben. Sie umfasst nicht nur die alte Industriegesellschaft, sondern steht zugleich für eine planetare Zukunft, die sich auf dem Müllhaufen der fossilen Geschichte zusammenbraut.
Die Moderne, die für sich beansprucht ihre eigenen Grundlagen zu erzeugen, beruht auf materiellen Voraussetzungen, die sie nicht erschaffen kann und mit geht mit Folgen einher, die ihre provinzielle Geschichte überschreitet. Sie Teil Naturgeschichte, die ihr vorausliegt und sie überlebt.
Das Buch hat drei Teile. Ressourcen erzählt die Geschichte des Aufstiegs der fossilen Moderne von der Industrialisierung bis zur „großen Beschleunigung“. Residuen zeigt wie moderne Selbstverständlichkeiten durch ökologische Probleme unterminiert werden. Reparaturen analysiert Reaktionen auf diese Probleme: Recycling, Responsibilität und Reparation.
Das Buch entwickelt einen neuen historischen Materialismus, der die historisch-sozialtheoretische Ausrichtung kritischer Materialismen mit der Sensibilität für ökologische Probleme in neuen Materialismen verbindet. Die moderne Gesellschaft wird sowohl durch ökonomische wie ökologische Materialitäten vermittelt: durch Kapital und Kohlenstoff. Aber wie lässt sich die Emanzipation von einer sozialen Konstellation denken, die buchstäblich zur Natur geworden ist?
Veranstaltungen
18. September 2026 – Buchvorstellung und Diskussion mit Katharina Hoppe und Daniel Loick. IfS, Frankfurt.
1. Oktober – Author meets Critics (Elena Beregow und Simon Schaupp) organisiert von Stephan Lessenich. DGS Kongress in Mainz.
13. Oktober – Lingerings. The politics of resentment, residuals, and repair. Zusammen mit Wendy Brown und Eva von Redecker. IfS Frankfurt.
28. Oktober – Vortrag im soziologischen Institutskolloquium. TU-Dresden.
24. November – Buchvorstellung und Diskussion mit Juliane Rebentisch und Eva von Redecker. HfbK Hamburg.